Report Amissa Keil     Report Amissa Keil
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Ich habe den Bachelor Studiengang in International Business an der Maastricht University absolviert und werde demnächst dort mit meinem Master beginnen. Der Wunsch, später im M&A Bereich tätig zu werden, kam mir bei einem interessanten Kurs über Unternehmensbewertungen. Nach einem Auslandssemester in Mexiko und vor Beginn des Masters wollte ich unbedingt ein Praktikum einschieben, was ich trotz praxisorientierter Lehrmethoden an den Unis jedem ans Herz lege!

 

In der M&A Beratung sind wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse ebenso wichtig wie umfassendes Branchen Know-how.

 

In einem meiner Projekte im Rahmen des Praktikums berieten wir einen Zulieferer für die Automobilindustrie bei der Investorensuche. Ich wurde zunächst mit der Aufgabe betraut, mir einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation in der Automobilindustrie zu verschaffen. Dazu war die Identifikation der aktuellen Trends in der Branche der erste Schritt. Mit Hilfe von Daten und Pressemitteilungen von Verbänden und Branchenstudien erlangte ich einen Überblick über die aktuelle Marktsituation und Trends. Laut Erhebungen des Verbands der Automobilindustrie VDA erlitt der Sektor in Deutschland von 2008 bis 2009 einen Gesamtumsatzrückgang von 20,5%. Dennoch ergab unser Dialog mit einigen Zulieferern, dass die Umsätze im 2. Halbjahr 2010 z.T. wieder 40% über denen des Vorjahres lagen.

 

Bei unserem Mandanten bestand im Rahmen der nachhaltigen Unternehmensentwicklung Handlungsbedarf. Mögliche Optionen waren zum einen der Einstieg in neue Wachstumstechnologien sowie die strategische Präsenz in den geographischen Zukunftsmärkten. Zum anderen bildete die Diversifizierung in verschiedene Sparten eine effektive Krisenstrategie, da die Nebengeschäfte oft stabiler sind als das zyklische Automobilgeschäft.

 

In Absprache mit unserem Mandanten konzentrierten wir uns auf die Diversifizierung in ein völlig neues Geschäftsfeld, was wir zuvor gemeinsam eingegrenzt hatten. Zur Erstellung der Longlist, einer Liste von möglichen Akquisitionszielen, suchte ich nach Unternehmen, deren Geschäft aus zukunftsträchtigen Technologien bestand, die das Produktportfolio unseres Mandanten sinnvoll ergänzen würden. Als nützliche Informationsquellen dienten mir neben Verbandswebsites auch Branchenzeitschriften und Fachmessen.

 

Nach weiteren Gesprächen mit unserem Mandanten wählten wir die Unternehmen aus, die in die engere Auswahl kamen (Shortlist), und führten nach erfolgreicher Ansprache von zwei dieser Unternehmen Bewertungen als Basis für spätere Verhandlungen durch. Die in der Praxis gängigste Bewertungsmethode ist das Multiplikatorverfahren z.B. auf Basis des EBIT. Den richtigen EBIT-Multiplikator bestimmten wir anhand von Peer Groups und Vergleichstransaktionen. Für die Erstellung einer Peer Group, also der Auswahl an vergleichbaren börsennotierten Unternehmen, kam mir dann wieder meine vorherige Marktrecherche zugute, da ich dabei schon viele der Marktteilnehmer und Wettbewerber kennen gelernt hatte.

 

Die Durchführung einer Unternehmensbewertung war besonders interessant für mich, da ich lernte, eine Überleitung von der Theorie in die Praxis herzustellen.

 

Das Praktikum bei Transfer Partners war eine rundum positive Erfahrung. Ich bekam von Anfang an abwechslungsreiche und herausfordernde Aufgaben, bei denen ich mein im Studium erlangtes Wissen anwenden und ausbauen konnte. Natürlich wurde von mir kein Expertenwissen über die Automobilindustrie oder andere Branchen erwartet, aber das Interesse, mich damit auseinander zu setzten. Eine gute Portion Neugier ist im M&A Geschäft Grundvoraussetzung. Es geht darum, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge mit wirtschaftswissenschaftlichem Wissen zu verbinden und zu guten Lösungsansätzen zu verarbeiten. Dabei hat es Spaß gemacht, in der Projektarbeit Verantwortung zu übernehmen, weil jeder Beitrag einen Teil des Projekterfolges ausmacht.

 

Amissa Keil, Maastricht University, im Juli 2010